Grün!

Ja, ich will. Ich will in einer demokratischen, offenen und freundlichen Weltstadt leben, die Platz für alle Menschen, Ideen und Lebensweisen hat, Vorbild in ökologischer und sozialer Sicht für das ganze Land und die ganze Welt ist, in der Konflikte offen, konstruktiv und auf Augenhöhe ausgetragen werden, die Vielfalt, Unterschiedlichkeit, Kreativität, Individualität und Vielsprachigkeit als Reichtum begreift, in der man lernen, wachsen, sich entwickeln, ausprobieren und auch scheitern darf, in der man kommen, gehen, bleiben und sich zuhause fühlen kann und in der Hetze, Ausbeutung, Diskriminierung, Sexismus, Homophobie, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit deutlich und ohne viel Aufhebens in die Schranken gewiesen werden.

diegruenen_klUnd ja, ich will: Ich will für all das kämpfen, und ja, ja: Ich will! Dafür Grüne Mehrheiten erringen. Weil nur – ich betone: nur – die Grünen innerhalb des Parteienspektrums und der politischen Institutionen nicht nur imstande, sondern vor allem willens sind, mit mir dafür zu kämpfen.

Nein, ich will nicht: zum hundertsten Mal nach einer Wahl von meinen linken und/oder liberalen FreundInnen hören, dass sie diesmal zum allerallerletzten Mal die SPÖ oder sonst was gewählt haben und nun die Zähne zusammenbeißen müssen, wenn die zum hundersten Mal packeln und paktieren, bremsen und betonieren, sich anbiedern und verkaufen und dafür öffentliches Eigentum, öffentliche Räume, Grundrechte und Lebensperspektiven auf dem freien Markt feilbieten. Nein, ich will nicht, dass die Hetzer und Profiteure in dieser Stadt Meter für Meter machen, weil es keinen politischen und medialen Konsens darüber gibt, ihnen die Stirn zu bieten oder weil wir ModernisierungsgewinnerInnen die legitimen Bedürfnisse der Bevölkerung nach Sicherheit, Freiheit und Zukunftsperspektiven für sich und ihre Kinder nicht ernst genug nehmen. Nein, ich will keine einzige rassistische Schmiererei mehr sehen, ich will keine Colaautomaten in unseren Schulen und keine Prestigeprojekte auf Kosten von öffentlichen Räumen wie dem Augarten.

Ich will, dass wir die Hoffnungen und Träume der Jungen und Alten, der Zugewanderten und Alteingesessenen, der Kreativen und Komischen, der Benachteiligten und Selbstbewussten, der Familien und EinzelkämferInnen wahrnehmen, wertschätzen und nach Maßen fördern. Ich will, dass wir ab jetzt! sofort! wieder die unglaublichen Potenziale von Jugendlichen nützen und nicht mehr den VerführerInnen der Werbeindustrie und der Populisten preisgeben, wenn wir nicht willens und mächtig sind, ihre Sprache zu sprechen und ihre Nöte ernst zu nehmen.

Ich will, gemeinsam mit allen Grünen im Landtag, in den Bezirken, in den Teilorganisationen, aber auch mit meinen FreundInnen aus Zivilgesellschaft und NGOs und all jenen, die vielleicht nur punktuell und für Einzelthemen bei uns andocken wollen, und ja, auch mit jenen Kräften aus anderen Parteien, die für konstruktive Zusammenarbeit zu haben sind, konkrete Projekte für mehr Demokratie und Mitbestimmung vorantreiben – etwa ein partizipatives Budget (BürgerInnenhaushalt) für Wien oder verbindliche BürgerInnenbeteiligungsverfahren auf Grätzel-, Bezirks- und Landesebene. Ich will für Transparenz und Information im Bereich des öffentlichen Wissens und behördlicher Entscheidungsprozesse (Stichwort Open Government und Open Data), aber auch im Bereich des öffentlichen und privaten Konsums sorgen, damit lokale, ökologische und solidarische Wirtschaftsformen belohnt und sozial bzw. ökologisch schädliche Geschäftemacherei und die Verletzung von Grundrechten verhindert werden.

Und ja, ich will allen etwas abverlangen und einigen etwas wegnehmen: den wirtschaftlichen Eliten ihren gerechten Beitrag zur Solidargemeinschaft, den Konzernen und Hegemonien ihre politische und ökonomische Übermacht, den HetzerInnen ihre Podien, den DogmatikerInnen ihre Dogmen, den Kleingeistern ihr Kleinformat. Und auch mir selbst verlange ich eine Verpflichtung ab: Nicht nur von Partizipation zu reden, sondern sie als politischer Vertreter täglich zu leben, zuzuhören und das Gehörte in meine tägliche politische Arbeit, in meine Netzwerke und Öffentlichkeiten zu tragen.

Und noch etwas zum Thema Commitment: Warum soll ein bekannter Quereinsteiger und Querdenker für die Grünen Politik machen? Einer, der mit Kritik auch an den Grünen nicht nur nicht vorm Zaum gehalten, sondern dabei auch manchmal übers (gemeinsame) Ziel geschossen ist? Wie soll so einer verstehen, dass Politik auch unangenehme Kompromisse und Loyalitäten erfordert? Ich kann diese Frage nur persönlich beantworten: Ich bin, immer schon, ein Lernender. Einer, der gern für eine Sache brennt, aber auch die höchste Form der Kritik in der Selbstkritik sieht. Und ich spüre, wie es in dieser Gesellschaft, in dieser Stadt und angesichts des grauslichen Niveaus vergangener und kommender Wahlkämpfe, eng wird. Für gesellschaftlich Benachteiligte und für uns alle, die wir eigentlich so offen und frei wie nur irgendwie möglich sein wollen. Und diese Freiheit nicht nur für uns, sondern auch für alle anderen Mitmenschen erkämpfen wollen, weil wir nicht frei sind, wenn wir neben uns Unterdrückung beobachten oder gar selbst davon betroffen sind. Und wenn wir das erkennen, müssen wir uns entscheiden, auf welcher Seite wir stehen: Auf der Seite der Unterdrücker und Zerstörer oder auf der Seite der Mehrheit jener, deren Lebenschancen in der einen oder anderen Form beschnitten werden.

Deswegen will ich Farbe bekennen. Die Farbe ist, seien wir realistisch, grün. Sonst ist da nix. Unsere Aufgabe wird es sein, die Mehrheiten für uns, also für Freiheit, Zivilcourage und Solidarität zu erkämpfen. Das wird nicht leicht. Aber wir werden gewinnen: Mit unseren Ideen, mit unserer Liebe und – mit unserem Commitment, also der Verpflichtung zu Teamarbeit, Professionalität und zum bestmöglichem Einsatz unserer Ressourcen. Ich möchte euch und dieser Stadt meine Ressourcen, meine Erfahrungen und Kontakte und meine Verpflichtung zur Verfügung stellen und Farbe bekennen. Und wenn wir unsere Ressourcen, unsere Erfahrungen und unsere Verpflichtung gegenüber dieser Gesellschaft, dieser Stadt und diesem Planeten miteinander teilen, werden wir gewinnen.

Ja, ich will für die Grünen, für uns, kandidieren und jene Mehrheiten erkämpfen, die mit Sicherheit weit jenseits der uns bisher zugestandenen Potenziale liegen, wenn wir

  1. die individuellen Bedürfnisse, Träume, Ängste und Konflikte dieser Mehrheiten wahrnehmen, ansprechen und konkrete Alternativen bieten
  2. mit Selbstvertrauen und Leidenschaft für unsere Überzeugungen mobilisieren
  3. unsere Utopie einer freien, gerechten und geschwisterlichen Gesellschaft, von Ökologie, Solidarität und Zivilcourage mit greifbaren Projekten und Lösungsvorschlägen verbinden

Dafür brauche ich euch: Die Grünen und ihre UnterstützerInnen. Dafür werden wir, die Grünen, noch viel viel mehr Menschen brauchen. Dafür brauche ich eure Anregungen und euren Rat genauso wie eure ehrliche Kritik, eure Ideen und euren Einsatz. Und letztendlich brauche ich dafür: Eure Stimme.