Holt die Talibans hier raus!
Der Landesvorstand der Wiener Grünen hat also beschlossen, einen großen Teil jener Menschen, die im Rahmen der Grünen Vorwahlen gerne die Grünen unterstützen würden, nicht als UnterstützerInnen anzuerkennen. Er verbiegt damit die eigenen Statuten, wie Helge richtig anmerkt, und nennt das auch noch Durchblick.
Man packt es kaum: Der Vorstand einer Partei, noch dazu einer, die sich ausdrücklich zur - Zitat - “Beteiligung der Bevölkerung an politischen Planungs- und Entscheidungsprozessen” bekennt, verprellt die eigenen SympathisantInnen, um nur ja nicht zu viele Menschen an genau diesen Entscheidungsprozessen teilhaben zu lassen. Mit Argumenten, bei denen es einem die Haare aufstellt.
Die von ihrem eigenen Vorstand offenbar düpierte Wiener Grünen-Chefin Maria Vassilakou ärgert sich auf ihrer Facebook-Seite über den aggressiven Stil auf beiden Seiten: “wenn politik die kunst des aufeinanderzugehens ist, wenn sie darin besteht dass wir viele werden und somit bewegung erzeugen, dann findet sie ihr ende im talibanismus. holt die talibans hier raus!”
Genau: Holt die Talibans hier raus. Auch ich glaube, dass die/wir VorwahlaspirantInnen in unserer Euphorie zu gaach waren und einzelne Formulierungen dazu angetan waren, innezuhalten und Asche aufs Haupt zu streuen. Gleichzeitig halte ich offene und öffentlich ausgetragene Streitbarkeit für eine politisch wünschenswerte Kategorie, gerade auch im Kampf gegen Politikverdrossenheit und Rechtsruck. Das nun erfolgte Signal des Zumachens seitens grüner Vorständler ist undemokratisch, strategisch unklug und in letzter Konsequenz parteischädigend.
Und nochwas, liebe Taliban unter den Grünen: Ich habe euren Verfolgungswahn satt. Ich hab’s auch satt, mir alle paar Tage von einem von Euch zuraunen zu lassen, mein machiavellischer Cousin Helge habe die ganze Initiative nur zur Rettung des Listenplatzes von Christoph Chorherr gegründet und nicht aus den von ihm angegebenen Motiven. Ich weiß, dass in der Politik - auch bei den Grünen - die Hackeln tief fliegen. Das ist euer Problem, und ihr solltet es nicht zum Problem von Leuten machen, deren Idealismus noch unzynisch ist und die deshalb gerne bei euch andocken würden. Genau deswegen wollen nämlich viele politisch interessierte und aktive Menschen nicht gleich Mitglieder einer Partei werden: weil sie keine Lust auf diese Art Hackeln (sic!) haben. Aber sie hätten euch gerne dabei unterstützt, diese Stadt etwas offener zu machen als ihr es seid.
PS (17.6.): Die Grünen wollen aus dem Schlamassel gelernt haben und stellen einen “Grünen Vorwahlen Konvent” am 18. Oktober in Aussicht. Auch ich habe einiges gelernt, unter anderem die schöne Formulierung Assume good faith.



Gerade in diesem Sinne ist übrigens Chorherrs eigener Plakatentwurf (siehe links), der die Rot-Schwarze Koalition in listiger Anspielung auf die AnarchistInnenfahne als “Chaos” hinstellt, unredlich. Wer das alte Vorurteil aufwärmt, dass Anarchismus Chaos bedeutet, demonstriert nur seine Ignoranz gegenüber den partizipatorischen Ansprüchen anarchistischer Vordenker (wie z.B. des Salzburgers 
