Stories

jetzt.de: Zum Beispiel CSR

Von A wie Adidas bis Z wie Zara bekennen sich heute so gut wie alle großen Konzerne zur „Sozialen Unternehmensverantwortung“, der so genannten „Corporate Social Responsibility“. Abkürzung: CSR. Sie stecken Millionen in Werbekampagnen, die beweisen sollen, dass das eigene Unternehmen zu seiner sozialen und ökologischen Verantwortung steht. Ganze Abteilungen werden beschäftigt, um sich um Menschenrechts- und Umweltangelegenheiten zu kümmern. Da werden Straßenkinder unterstützt, Kinderspielplätze angelegt und manchmal sogar Schulen und Krankenhäuser in ärmeren Ländern gebaut. Große Firmen betonen, „ein verantwortungsbewusster Teil der Gesellschaft“ zu sein, und erklären die „nachhaltige Wirtschaftsweise“ zu ihrem obersten Ziel. Meistens haben sie auch einen „Code of Conduct“, einen Verhaltenskodex. Darin stehen Dinge wie das Bekenntnis zu Arbeits-, Gewerkschafts- und Menschenrechten, zum Umweltschutz und gegen Kinderarbeit.

Das klingt gut. Aber was steckt wirklich dahinter? Warum investieren Unternehmen heute Millionen in aufwändige Werbeprospekte und Nachhaltigkeitsberichte, um zu betonen, wie moralisch sie handeln? (mehr…)



jetzt.de: Zum Beispiel Konsum

Seit Organisationen wie Greenpeace die Kampagne für saubere Kleidung und Publikationen wie das Schwarzbuch Markenfirmen auf Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, globale Ausbeutung und Umweltzerstörung durch multinationale Unternehmen hinweisen, wollen immer mehr Menschen ihre Konsumprodukte aus ethisch und ökologisch „korrekter“ Herkunft beziehen. Häufig erhalte ich Anfragen, ob man diese oder jene Marke denn mit reinem Gewissen kaufen könne. Verlage drängen mich, doch endlich ein „Weißbuch Markenfirmen“ zu schreiben, also sozusagen eine Liste ethisch „unbedenklicher“ Marken.

Auch wenn ich damit womöglich viel Geld verdienen könnte: Eine solche Liste wird es von mir nicht geben. Weil es erstens unmöglich ist, weltweit agierende Konzerne mit Tausenden Zulieferbetrieben so umfassend zu kontrollieren, dass man sie „freisprechen“ könnte. Zweitens hat jeder Multi, der seine Profite auf Basis der Unterschiede zwischen armen und reichen Ländern erwirtschaftet, ein systematisches Interesse daran, diese Unterschiede aufrecht zu erhalten: Das liegt nicht an „bösen“ oder unwilligen ManagerInnen, sondern an einem Wirtschaftssystem, das Ausbeutung ökonomisch belohnt und so zur Geschäftsgrundlage macht.

Natürlich gibt es Hunderttausende kleine und mittlere Firmen, denen eine ökologisch und sozial nachhaltige Wirtschaftsweise wichtiger ist als die schnelle Rendite. Doch ein „Weißbuch“ über meinen Lieblingsschuster oder die Fahrradhändlerin ums Eck würde Leserinnen und Leser in Frankfurt, Budapest oder Buenos Aires relativ wenig interessieren. (mehr…)



jetzt.de: Zum Beispiel “Was tun”

Letzte Woche habe ich zehn Vorschläge für eine solidarischere und nachhaltigere Politik gemacht. Heute will ich darüber reden, was jeder und jede einzelne dazu beitragen kann.

Ich muss gestehen, dass mir das besonders schwer fällt. Denn ich kann und will niemandem sagen, wie er oder sie zu leben hat. Wir alle haben unterschiedliche Bedürfnisse und Möglichkeiten, und das ist auch gut so. Tatsache ist aber, dass – entschuldigt die Ausdrucksweise – die Scheiße am Dampfen ist: Wirtschaftskrise, Energiekrise, Demokratiekrise, Rassismus, Klimawandel, Armut, Hunger, Umweltzerstörung und so weiter und so fort – all das verlangt danach, dass wir politische Entscheidungen nicht mehr den Mächtigen überlassen, sondern uns selbst an der Gestaltung unserer Zukunft und der Zukunft des Planeten beteiligen.

Jeder und jede von uns hat unterschiedliche Möglichkeiten „was zu tun“. Wir können uns im Freundeskreis, in der Nachbarschaft, in Vereinen, Organisationen wie Greenpeace oder Attac, Parteien und Gewerkschaften etc. engagieren, im beruflichen Umfeld, in Erziehung und Bildung, auf lokaler und globaler Ebene. Wir können bewusster konsumieren, also zum Beispiel regional, ökologisch oder „Fairtrade“ oder einfach mal weniger einkaufen, weniger fliegen, weniger Autofahren, weniger Fleisch essen. Doch all das lässt sich nicht über einen Kamm scheren, eben weil wir so verschieden sind.

Mich interessiert daher vor allem, wie wir unsere Möglichkeiten vergrößern können. Und mir sind dazu vier Punkte eingefallen, die ich hier zur Diskussion stellen möchte: (mehr…)



jetzt.de: Zum Beispiel Politik

„Die Erneuerung der Inhalte der Politik ist der Königsweg zur Erneuerung der Macht der Politik“, sagt der Soziologe Ulrich Beck. „Es gibt also nicht nur einen idealistischen, sondern auch einen machtstrategischen Idealismus.“ Heute möchte ich zehn Vorschläge machen, wie wir mithilfe von Politik und Demokratie den Grundprinzipien Freiheit, Gleichwertigkeit und Geschwisterlichkeit wieder den Vorrang vor Ausbeutung und Profitstreben geben könnten.

Wem das zu utopisch klingt, der sei daran erinnert, dass bis vor wenigen Jahrzehnten auch Dinge wie Demokratie, Frauenwahlrecht, Gewerkschaftsrechte, Schwulenrechte oder ökologische Mindeststandards Utopien waren.

1. Freiheit schaffen!
Kein Mensch darf in seiner Freiheit, zu kommen, zu gehen oder zu bleiben, eingeschränkt werden. Niemandem darf verboten werden, egal wo, wie und mit wem zu leben, - es sei denn, um im Rahmen demokratisch gefasster Rechtsnormen zu verhindern, dass er oder sie die Freiheit oder Sicherheit anderer gefährdet. Viel mehr als für Kapital und Waren müssen Grenzen vor allem für Menschen offen sein.

2. Ungleichheit begrenzen!
Grenzenloser Reichtum schafft Armut, Umweltzerstörung und Machtmissbrauch und macht fast niemanden glücklich. Wenn kein Mensch mehr als zum Beispiel das 20-fache eines anderen bzw. des gesetzlichen Mindestlohns verdienen darf, und sich keine Privatperson mehr als eine maßvolle Obergrenze an Vermögen aneignen kann, erhöht das den Wohlstand für alle und ermöglicht die gleichberechtigte Teilnahme an demokratischen Prozessen. (mehr…)



jetzt.de: Zum Beispiel Alternativen zum Kapitalismus

Er hat das “Schwarzbuch Markenfirmen” geschrieben, in “Uns gehört die Welt” erklärt er Macht und Machenschaften von Konzernen - für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo Wirtschaft plastisch.

Heute möchte ich über Alternativen zum Kapitalismus reden. Und bitte gleich um Entschuldigung, dass das in einer Kolumne wie dieser natürlich ein fast unmögliches Unterfangen ist: Zu komplex sind die Wirtschaftszusammenhänge einer globalisierten Welt, und zu gefährlich wäre es, hier einfache Lösungen zu erwarten.

Wer das unmenschliche System des Kapitalismus mit seiner Fixiertheit auf persönliche Bereicherung auf Kosten anderer und der Umwelt kritisiert, wird schnell verdächtigt, auf das einzige weltweit bekannte Gegenmodell zu setzen: Den autoritären Kommunismus, wie er in den Sowjetländern gescheitert ist und wie er uns in Ländern wie China, aber auch zum Beispiel in Kuba noch immer vor Augen führt, dass autoritäre Modelle immer auf Kosten individueller Freiheit und der grundlegenden Menschenrechte gehen. (mehr…)



jetzt.de: Zum Beispiel Kapitalismus

Er hat das “Schwarzbuch Markenfirmen” geschrieben, in “Uns gehört die Welt” erklärt er Macht und Machenschaften von Konzernen - für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo Wirtschaft plastisch.

So, jetzt aber. Ich habe ja versprochen, mich ein bisschen darüber auszulassen, warum die globale Ausbeutung durch Konzerne System hat und warum das nicht nur unglückliche Einzelfälle sind.

Ihr habt sicherlich schon mal gehört, dass Banken und Investmentfonds sagen: „Geben Sie uns Ihr Geld, wir lassen es für Sie arbeiten!“ Sie versprechen uns damit, unser Geld zu vermehren. Vor allem jene, die sehr viel mehr Geld haben, als sie zum täglichen Leben brauchen, können dieses Geld zum Beispiel in Aktien oder Fonds investieren, wo es dann – quasi von selbst – mehr werden soll.

Ok, ich gebe zu, dass das Vertrauen in Banken und Fondsmanager seit der Finanzkrise ein bisschen gelitten hat. Dennoch aber wird diese wundersame Geldvermehrung noch immer massiv beworben und sogar staatlich gefördert – etwa durch die Privatisierung der Rentenkassen anstelle der solidarisch finanzierten Altersvorsorge, wo jeder entsprechend seinem Einkommen etwas beiträgt.

Was aber bedeutet das, „Geld für sich arbeiten“ zu lassen? Hat schon mal jemand einen Geldschein mit einem Spaten in der Hand gesehen? (mehr…)



jetzt.de: Zum Beispiel Dole

Er hat das “Schwarzbuch Markenfirmen” geschrieben, in “Uns gehört die Welt” erklärt er Macht und Machenschaften von Konzernen - für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo Wirtschaft plastisch. Heute stellt er Machenschaften in der Obstindustrie vor.

Letzte Woche habe ich eine Erklärung dafür angekündigt, warum ich den globalisierten Kapitalismus der Multis für nichts anderes halte als für eine beschleunigte und anonymere Form kolonialer Ausbeutung. Weil’s mich aber gerade so ärgert, möchte ich diesmal doch noch ein aktuellen Vorfall loswerden. Es geht nämlich um den Supermarkt bei mir ums Eck. (mehr…)



jetzt.de: Zum Beispiel Bayer. Eine Wirtschaftskolumne (III)

Er hat das “Schwarzbuch Markenfirmen” geschrieben, in “Uns gehört die Welt” erklärt er Macht und Machenschaften von Konzernen - für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo Wirtschaft plastisch. Heute antwortet er auf Kommentare aus dem jetzt-Kosmos und zeigt ein Beispiel für Rohstoff-Raubzüge aus dem Kongo.

Vergangene Woche habe ich multinationalen Konzernen die Ausbeutung von Menschen -etwa in Afrika - vorgeworfen. Davor sprach ich sogar von „Raubzügen“ – eine Ausdrucksweise, die einige jetzt.de-LeserInnen offenbar als sehr drastisch empfanden.

Heute möchte ich dafür ein konkretes Beispiel nennen, das ich selbst recherchiert habe: Ende 2000 veröffentlichten die Vereinten Nationen einen Bericht über den Krieg in der Demokratischen Republik Kongo - mit fünf Millionen Toten in fünf Jahren der größte Konflikt der Welt seit 1945. Laut UNO ging es dabei vor allem um Tantal, ein wertvolles Metall, das unter anderem für die Herstellung von Handys benötigt wird: Unterschiedliche Gruppen kämpften um den Zugang zu den Rohstoffminen und finanzierten ihren Krieg mit Einnahmen aus dem Edelmetall. Ein Teufelskreis. (mehr…)



jetzt.de: Zum Beispiel Freiheit. Eine Wirtschaftskolumne (II)

Er hat das “Schwarzbuch Markenfirmen” geschrieben, in “Uns gehört die Welt” erklärt er Macht und Machenschaften von Konzernen - für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo Wirtschaft plastisch. Heute denkt er über die Bedingungen für weltweite Zuwanderung in die EU nach.

In meiner letzten Zum Beispiel-Kolumne habe ich über Globalisierung geschrieben. Genauer gesagt: Über die neoliberale Globalisierung der Marktwirtschaft. “Liberal” heißt frei, doch die neue Freiheit gilt de facto nur für den globalen Austausch von Kapital, Waren und Dienstleistungen für die Profite reicher Unternehmen.
Für Menschen allerdings gilt die Freiheit des Neoliberalismus nicht. Die meisten BewohnerInnen dieses Planeten sind den nationalen Grenzen, den nationalen Gesetzen und der Begrenztheit ihrer persönlichen Reichtümer unterworfen. Gerade diese Reichtümer aber werden einem großen Teil der Menschheit von multinationalen Konzernen weggenommen – etwa in Form von Rohstoffen, ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, der Rückzahlung von Schulden, die korrupte Regierungen gemeinsam mit korrupten Banken angehäuft haben, oder dem Verlust ihrer Vermögen durch Finanz- und Währungskrisen. (mehr…)



jetzt.de: Zum Beispiel Globalisierung. Eine Wirtschaftskolumne (I)

Er hat das “Schwarzbuch Markenfirmen” geschrieben, in “Uns gehört die Welt” erklärt er Macht und Machenschaften von Konzernen - für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo Wirtschaft plastisch.

Globalisierung bezeichnet die zunehmende weltweite Vernetzung in allen Bereichen wie Wirtschaft, Politik, Kultur und Kommunikation. Ich zum Beispiel habe Freunde und Freundinnen in Brasilien, im Kongo und Australien, mit denen ich in verschiedenen Sprachen fast gratis chatten, E-Mails verschicken und via Skype online telefonieren kann. Als Journalist kann ich im Internet auf die Archive der New York Times oder einer kleinen indischen Zeitung zugreifen, mir von Menschenrechtsgruppen in Hong Kong oder Nigeria Informationen schicken lassen und per Weblog mit Leuten auf der ganzen Welt kommunizieren. Ich lade mir die Musikfiles internationaler Bands und DJs herunter und sehe mir auf YouTube Filme aus aller Welt an. Außerdem genieße ich fair gehandelten Kaffee aus Bolivien, Schokolade aus Ghana und Bananen aus Costa Rica. Und hin und wieder steige ich in ein Flugzeug, um fremde Kulturen kennen zu lernen, obwohl ich weiß, dass das aus ökologischer Sicht gar nicht gut ist und es sich nur wenige Menschen leisten können. (mehr…)